Azoren – Teil II

Wenn ihr mit dem Gedanken spielt die Azoren zu besuchen, eins vorab, wie immer beim Wandern ist es wichtig, dass ihr genug Wasser (ich habe täglich drei bis vier 1,5 Liter Flaschen geleert) bei euch habt. Feste Schuhe und Sonnenschutz sollten auch dabei sein und für die Fotoverrückten unter euch, investiert in einen ordentlichen Rucksack. Die Azoren sind sehr bergig, die Wanderwegen nicht immer gut befestigt und ihr werdet oftmals beide Hände benötigen. Aber kommen wir nun zu meinen Highlights:

Verlassenes Energiewerk & Lago do Fogo

Ich gehöre nicht zu den Menschen die aufs grade Wohl in Urlaub fahren und sich überraschen lassen was das Land so zu bieten hat. Ich habe, wie in allen anderen Bereichen meines Lebens gerne einen Plan. Auch in diesem Fall habe ich ausgiebig Google bemüht um mir die Sehenswürdigkeiten, entsprechend meiner Vorlieben, herauszusuchen. In der Theorie hatte ich also einen Plan. Aber Google Maps hatte einen anderen Plan. Mitten im Nirgendwo verließ mich der GPS-Empfang. Kurze Zeit später war der Empfang wieder da und nur wenige Minuten später hatte ich angeblich das Ziel erreicht. Praktischer Weise an einem Parkplatz mit angrenzendem Wanderpfad. Es kam mir zwar ein wenig spanisch, oder in diesem Fall eher portugiesisch, vor dass der Wanderweg bergabwärts führte, aber nun ja, vielleicht lag der See „Lago do Fogo“ ja in einem der vielen Krater der Insel.  Von den leichten Zweifeln vollkommen unbeeindruckt, ging es also los… Immer schön dem Pfad folgend, den Berg runter, durch wunderschöne Wälder, vorbei an einem verlassenen Energiewerk.                                Yeah… unverhofft kam ich also gleich in den Genuss der ersten Lost Places Aufnahmen. Die Wanderung führte wie ihr euch sicherlich schon denken könnt nicht an den Lago do Fogo. Aber spätestens nach dem ich den ersten Wasserfall und eine wunderschöne Stelle, ähnlich einer Grotte gleich hinter dem Wasserfall, entdeckte, war der winzige Anflug von Ärger vergessen. Als ich dann irgendwann das Meer sehen konnte, beschloss ich dann doch umzudrehen und wieder zum Auto zurück zu wandern. Inklusive Hin- und Rückweg war ich rund 3,5 Stunden unterwegs. Der Wanderweg ist definitiv nichts für Anfänger und mit kleinen Kindern würde ich es mir dreimal überlegen ob ich es wagen würde (die Sicherungen sind teilweise sehr, nun ja, provisorisch). Besonders der Aufstieg (in diesem Fall der Rückweg) war sehr anstrengend, im Zickzack-Kurs die „Steilwand“ rauf. Obwohl es eher ein Unfall war, dass ich dort landete muss ich sagen gehört die Wanderung definitiv zu meinen Highlights. Übrigens hieß die Route „Quatro Fábricas da Luz“.

Zurück am Auto holte ich zum zweiten Versuch aus. Und stellt euch vor, diesmal kam ich doch tatsächlich am Lago do Fogo an. Wie der Name des Sees schon vermuten lässt liegt er meistens im Nebel. Wenn sich der Nebel allerdings verzieht und die Sonne die Wolken durchbricht, liegt vor einem ein See mit einem atemberaubenden Farbenspiel. Und ich hatte Glück. Kaum war ich angekommen, verzogen sich die Wolken und der leichte Nebelschleier. Tolle Aufnahmen des Sees waren mir also sicher. Der Lago do Fogo ist meiner Meinung nach ein absolutes Highlight, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Übrigens, wer den anstrengenden Abstieg und den doppelt so anstrengenden Aufstieg nicht scheut, sollte sich ungefähr zwei Stunden Zeit nehmen und den Weg vom Kraterrand runter zum See einplanen. Es lohnt sich definitiv. Der Weg ist zwar wohl eher ein Trampelpfad und die Stufen sind hauptsächlich aus festgetretenem Lehm und Brettern, in einem wahren Spektrum der Höhenunterschiede, „befestigt“. Teilweise ist auch mehr ein kleiner Sprung von einer Stufe zur Nächsten notwendig. Unten beim See angekommen überwindet man schließlich sogar eine Holzleiter und ist anschließend über sich selbst erstaunt wie viele Höhenmeter man hinter sich gelassen hat (das kommt übrigens kurz bevor man realisiert, das man diese Höhenmeter auch wieder hochklettern muss um zum Auto zu kommen). Die Mühe wird jedoch wirklich belohnt.

 

Ihr habt den ersten Teil verpasst – den findet ihr hier Azoren – Teil 1

Weitere Highlights findet ihr im  Azoren – Teil III