Azoren – Teil IV

Kommen wir nun zum letzten Teil meines Reiseberichts.

Der absolute Favorit meiner Reise. Die Walbeobachtung. Es war ein absolut unvergessliches Erlebnis. Entgegen meiner üblichen Gewohnheiten blieb die Kamera im Auto während ich auf dem Meer war. Ich wollte den Moment ganz und gar in mich aufsaugen und zu hundert Prozent genießen. Und es war nicht nur gut, es war atemberaubend. Aber am besten fange ich von Vorne an. Obwohl ich mich über die Azoren belesen hatte, war mir nicht richtig bewusst, das sie für Walbeobachtungen bekannt sind. Erst durch einen Freund von mir wurde ich darauf aufmerksam. Da ich auf keinen Fall auf einer Massenabfertigung landen wollte, durchstöberte ich vorab das Internet nach guten Anbietern für eine Walbeobachtung. Ich entschied mich schließlich für TERRA AZUL. Das Unternehmen bietet diverse Ausflüge an. Aber mich interessierte ja nur ein spezieller Ausflug.

Mit einem 12-Personen-Zodiac ging es hinaus aufs Meer. Ganze 40 Minuten fuhren wir. Man hörte gelegentlich mal einen Funkspruch der „Watch out“-Posten an Land. „Go left“ oder „Turn right“. So werden die Boote von TERRA AZUL übrigens zu den Walspots geleitet. Es gibt mehrere Posten an der Küste, welche mit Ferngläsern bewaffnet die Gewässer um Vila Franca do Campo beobachten. Sehen Sie etwas (und das ist nicht immer so leicht, denn größere Schwärme von Krill können oftmals für einen Wal gehalten werden), geben Sie den Booten durch in welche Richtung sie drehen sollen. Genauso war es. Unser erster Hinweis erwies sich also gleich mal als Krillwolke. Natürlich kam man nicht umhin ein wenig Enttäuschung zu verspüren. Doch nur wenige Minuten später hatten nicht nur wir die Krillwolke entdeckt, sondern auch ein riesiger Wal. Ganz plötzlich und unerwartet tauchte die Finne (die Rückenflosse) neben unserem Boot auf. Wenige Meter von uns entfernt. Der Guide erklärte uns, dass es sich bei dem Wal um einen Finnwal handelte. Der zweitgrößte Wal gleich hinter dem Blauwal. Finnwale gehören, genau wie der Blauwal, zu den Furchenwalen. Sie ernähren sich hauptsächlich durch den bereits erwähnten Krill. Dreimal konnten wir den Rücken dieses majestätischen Tieres bewundern, bevor er wieder in den Tiefen des Ozeans abtauchte. Ich wäre bereits nach dieser Sichtung vollkommen zufrieden gewesen, doch das Boot steuerte weiter weg von der Küste. Weitere 20 Minuten vergingen, als das Boot einen kräftigen Schwenker nach Links machte. Ein weiterer Wal war gesichtet worden. Nach kurzer, aber extrem schneller, Fahrt hielt das Boot an und wir trieben auf den Wellen. Der Guide mahnte uns ruhig sitzen zu bleiben und zu warten, ein Wal würde geradewegs auf uns zu steuern, aber wir sollten uns ein wenig gedulden. Damit die Tiere nicht von den Motorengeräuschen verscheucht werden, wäre es besser ein Stück entfernt zu warten. Die Minuten verstrichen und die Hälse wurden immer länger. Die kleinste Schaumkrone wurde genauestens begutachtet. Waren dort hinten etwa Luftblasen zu sehen? Was ist denn das Weiße dort drüben? Das Weiße dort drüben  stellte sich übrigens als eine Möwe heraus. Man konnte förmlich die Spannung greifen. Und dann hörten wir den Guide, der sagte wir sollen nach rechts vorne blicken, dort sei ein Schatten zu erkennen. Die Augen wurden immer größer. Und dann war er da, ein gigantischer Blauwal. Zunächst war „nur“ seine Finne zu sehen, gefolgt von seinem mächtigen Rücken. Der Wal zog langsam an uns vorbei. Es war unglaublich. Und gerade als er weit genug entfernt war um ihn kaum noch ausmachen zu können, passierte es, er tauchte mit einem Wink seiner Fluke (Schwanzflosse) ab. Spätestens da standen mir die Tränen in den Augen. Ein Erlebnis was ich niemals vergessen werde. Doch das sollte noch nicht alles sein. Als der „Watch-out“ eine Gruppe von „Common Dolphins“ entdeckte, steuerte unser Boot darauf zu. Doch soweit kamen wir nicht. Diesmal tauchte der Finnwal praktisch direkt neben unserem Boot auf und die Besatzung hatten gerade noch Zeit den Motor abzustellen. Vielleicht fünf, sechs Meter, auf meiner Seite des Bootes, kam der Rücken des Wals zum Vorschein. Diesmal war das Tier so nah am Boot das man seine Zeichnung perfekt erkennen konnte und man, wenn auch nur annähernd, einen Eindruck von der schieren Größe des Wals bekommen konnte.  Ich war einfach nur glücklich an einem solchen Erlebnis teilhaben zu dürfen. Nachdem der Wal abgetaucht war, nahmen wir wieder Kurs auf die Delfingruppe. Als wir dort ankamen, entdeckten uns auch die Delfine und kamen auf unser Boot zu, sie lieferten sich ein wildes Wettrennen mit unserem Boot und waren, nach Aussage unseres Guides, sehr springfreudig. Die beiden Kinder an Bord quietschten jedesmal vor Vergnügen, wenn ein Delfin besonders nah an unser Boot kam, und auch wir Erwachsenen kamen nicht umhin mitzuquietschen.

Auf dem Rückweg zum Hafen drehten wir noch eine Runde um die Ilhéu de Vila Franca do Campo. Sie bildet einen perfekten Kreis und ist aus dem Krater eines unterseeischen (das heißt wirklich so) Vulkans entstanden. Früher war sie einmal im Privatbesitzes wurde jedoch zwischenzeitlich zu Staatseigentum und Naturschutzgebiet erklärt. In den Sommermonaten kann man in kleinen Gruppen die Insel erkunden und um sie herum wohl auch Meeresschildkröten beobachten. Da ich, wie bereits am Anfang erwähnt, keine Kamera mitgenommen habe, konnte ich an der Insel aber doch nicht das Fotografieren sein lassen. Wenn auch nur mit meinem Handy.

 

Für mich war es wirklich die absolute Krönung eines erlebnisreichen Urlaubs. Wer die Natur genauso liebt wie ich und nicht fußfaul ist, ist auf den Azoren definitiv gut aufgehoben. Für mich steht fest, die anderen acht Inseln müssen ebenfalls erkundet werden. Vielleicht nicht gleich nächstes Jahr, aber ich komme wieder.

Ihr habt Teil I – III verpasst?

Hier findet ihr sie:

Azoren – Teil I

Azoren – Teil II

Azoren – Teil III

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3 Kommentare zu „Azoren – Teil IV“

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