Vom Plastikproblem und der Wahl für ein bewussteres Leben

Bewusst leben – was bedeutet das eigentlich? Ich denke für Jeden hat es eine etwas andere Bedeutung. Während die Einen darunter verstehen jeden Moment wertzuschätzen, stellt sich ein Anderer darunter die bewusste Entscheidung für einen bestimmten Lebensweg vor. Andere halten den bewussten Verzicht auf etwas für ein bewusstes Leben. Ich denke bewusstes Leben ist eben von allem ein bisschen. Gesunde, natürliche Ernährung, die bevorzugte Benutzung von natürlichen und nachwachsenden Ressourcen. Eine gute Balance eben. Vor unserem Umzug ins Haus hatte ich bereits einen, nennen wir es mal radikalen, Rundumschlag gemacht. In den sechs Jahren hatte sich unglaublich viel unnützer Kram angesammelt. Da ich noch nie ein Freund der Wegwerfgesellschaft war, hatte ich unseren Hausstand halbiert, in dem ich die meisten Sachen bei ebay Kleinanzeigen, und etwaigen anderen Internetportalen (Werbung und so) verkauft habe. Das brachte nicht nur ein unglaublich befreiendes Gefühl mit sich sonder tat dem Geldbeutel gut. Was ich nicht verkaufen oder verschenken konnte flog (zwar getrennt aber dennoch achtlos) auf den Müll. Doch gibt es eine Möglichkeit diesen unsinnigen Konsum um des Konsums Willen einzudämmen oder gar zu eliminieren? Die Antwort heißt wie so oft: „Es kommt darauf an…“ Es kommt nämlich darauf an, wie viel man zu ändern bereit ist.

Ich muss zu meiner eigenen Schande gestehen, während der Bauphase ist dieses Thema leider etwas in den Hintergrund gerückt. Da wir aber nun ein gutes halbes Jahr in unserem kleinen Zipfelmützenhaus wohnen, und auch die Doppelbelastung nicht mehr da ist, habe ich mich wieder intensiver mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt. Und das Erschreckende daran ist schlicht und ergreifend, das auch wenn du dich selbst für halbwegs gut informiert hälst, du so unglaublich wenig weißt. Ein konkretes Beispiel: Natürlich weiß man das Plastik der Umwelt schadet und in den Weltmeeren landet. Aber für die aller Meisten von uns ist es eher ein abstraktes Problem, was einen ja irgendwie nicht so richtig richtig selbst betrifft. Aber nur Wenige wissen z. B. das die „Ausdünstungen“ von manchen Plastikarten den Hormonhaushalt beeinflussen können. Mikroplastik ist nachweislich in unserem Körper zu finden. Der Wocheneinkauf besteht zu 80 % aus Verpackung… Und das sind nur vereinzelte Beispiel. Wir schmieren uns täglich Plastik ins Gesicht, waschen unsere Haare damit und packen unsere Lebensmittel damit ein. Plastik ist einfach allgegenwärtig.

Vor etwa zwei Monaten hatte ich eine mörderische Grippe. Vier Wochen lag ich einfach flach, jegliche Bewegung war zu viel des Guten. Was macht Frau also, wenn sie einfach nicht mehr kann? Genau… Fernsehen…  Wir haben jedoch kein normales Fernsehen, also dieses old school Satelliten- oder Kabel-Fernsehen. Aber wir haben Netflix und wir haben Prime Video (Achtung schon wieder Werbung). Ich habe also eine Menge Zeit gehabt um Fernsehen zu schauen. Klar waren dabei auch einige kurzweilige Serien und Filme gewesen, aber eben nicht nur. Ich nenne es gerne Verdummungsfernsehen. Glotze an, Hirn aus. Das konnte ich noch nie sonderlich lange aushalten. Und deshalb habe ich viele Dokumentationen verschlungen. Unter anderem „A plastic ocean“ und „Before the flood“. Besonders „A plastic ocean“ war für mich erschreckend. Ich bin nicht zwangsläufig ein besonders emotionales Wesen, aber mir standen zeitweise die Tränen in den Augen. Nein sie standen nicht nur in den Augen, sie liefen mir die Wangen runter. Seevögel die bis zum Rand mit Plastikteilen gefüllt waren, Walfische die elendig verendet sind. Ich glaube das war eine der schlimmsten Szenen der Dokumentation. Ich liebe Wale und durfte sie sogar schon in der freien Wildbahn beobachten. Vielleicht haben mich diese Bilder deswegen so sehr getroffen. Das Thema Plastik lies mich nicht mehr los.  Ich fing an mich zu belesen, zu informieren. Und das was ich herausfand, zeigte mir das ich was ändern wollte. Nur wo anfangen? Die Antwort ist ganz einfach, irgendwo… ganz egal wo, nur bitte in Aktion treten. Vom drüber Nachdenken und Schwierigkeiten an allen Ecken und Ende zu sehen ist noch nie etwas geworden. Das soll natürlich nicht zu blindem Aktionismus aufrufen. Es geht ja schließlich um Nachhaltigkeit.

Zu Erst begann ich mit einer selbstauferlegten Kaufsperre und einer, nennen wir es mal, „Inventur der Lagerbestände“. Angefangen in der Küche, denn das ist am einfachsten. Wenn etwas leer wird, schaut man nach einer unverpackten Alternative. Gemüse und Obst sind dabei absolut einfach auszutauschen. Im örtlichen Biomarkt gibt es frische Lebensmittel unverpackt zu kaufen. Und selbst in jedem Supermarkt werden Obst und Gemüse einzeln und ohne Verpackung angeboten. Doch was tun mit Getränken, Aufschnitt, Käse, Nudeln und Co.? Glaubt mir auch das ist ziemlich einfach:

  • Getränke wie Saft, Wasser und Softdrinks gibt es in Mehrweg-Glasflaschen. Klar sind die schwerer, dafür aber frei von Weichmachern. Und Wasser gibt es ganz einfach aus dem Wasserhahn, ganz ohne Schlepperei. (Das machen wir übrigens schon seit vielen Jahren, denn wir haben im fünften Stock in einer Wohnung ohne Fahrstuhl gewohnt. 😀 )
  • Geht es um Milch so gibt es die in ebenfalls in Glasflaschen. Wir greifen in letzter Zeit allerdings immer öfters auf die pflanzlichen Alternativen zurück. Lediglich im Kaffee kann ich mich noch nicht zur Pflanzenmilch überreden, leider flockt die nämlich immer wieder aus. Im Supermarkt gibt es Pflanzen-Drinks meistens nur in Kartons. Auch wenn drauf steht, das die recyclebar sind, so ist das ein sehr komplizierter Prozess der Spezialanlagen benötigt. Was also tun? Sehr sehr einfach und vollkommen unkompliziert mit nahezu keinem Aufwand lässt sich Pflanzenmilch selbst herstellen, alles was ihr braucht ist einen elektrischen Stabmixer oder Standmixer. Mandelmilch zum Beispiel ist in unter zwei Minuten mit Mandelmus, einem Stabmixer und Wasser gemacht. Hafermilch braucht maximal fünf Minuten, Haferflocken, Wasser, und einen Nussmilchbeutel ( ein sauberes Leinentuch tut es übrigens auch).
  • Aufschnitt / Käse sind ein bisschen „komplizierter“. Man muss nämlich kommunizieren. Ja, ehrlich, so richtig mit reden und lächeln und so.                      Spaß bei Seite… Beim örtlichen Fleischer, oder an der Käsetheke ist mit einem Lächeln, einer freundlichen Frage und einer sauberen Dose schon viel gekonnt. Die meistens Läden dürfen die Dosen zwar nicht hinter die Theke nehmen, aber auf den Tresen darf die Dose gerne gestellt werden. Die Verkäufer/innen dürfen die Ware nach dem Abwiegen dort hereinlegen. Klar gibt noch Läden, die die eigene Dose mit vorgeschobenen Hygieneregeln ablehnen. ABER… weniger als man denkt. Wenn ich an meinen ersten Einkauf beim Fleischer denke, ich brauchte Hack für die Lasagne, muss ich immer noch schmunzeln. Ich wanderte mit meiner Büchse zur Theke, und schaute irgendwie ganz verlegen meine Füße an, als ich sagte: „Ich hätte gerne 300 Gramm Rinderhack, aber können Sie es mir bitte in meine Dose hier geben? Ich versuche nämlich auf Plastikverpackungen zu verzichten…“ dabei hob ich die Dose leicht verschämt in die Höhe. Die Verkäuferin antwortete deutlich grinsend: „Selbstverständlich kein Problem, stellen Sie die Dose doch bitte hier auf das Tablett, dann lege ich die Ware gleich rein. Ist wohl ihr erster Einkauf mit eigener Dose?“ Äh ja… ihr seht, offensichtlich gibt es immer mehr Menschen, die dem Plastik den Kampf angesagt haben. Und eine freundliche Frage kostet nichts. Seien wir doch mal ehrlich, was soll denn auch geschehen? Mehr als das man ein Nein kassiert kann doch nun wirklich nicht passieren.
  • Nudeln, Reis und Co. gibt es in immer mehr Bioläden in „Silos“ unter die man eine Papiertüte oder manchmal sogar sein eigenes mitgebrachtes Gefäss (fragt bitte vorher an der Kasse) drunter hält und sich abfüllt was man braucht. Außerdem gibt es eine wunderbare Erfindung… Unverpacktläden. Und die werden Gott sei dank immer mehr. Selbst in unserer Nähe gibt es welche (und wir wohnen wahrlich nicht in einer Großstadt-Metropole). Und diese Läden sind wirklich wahnsinnig spannend. Man packt seine leeren, sauberen Gefäße (Gläser, Dosen, Beutel) ein und wandert damit in den nächsten Unverpacktladen. Dort wiegt man seine leeren Gefäße aus und vermerkt das Gewicht irgendwo auf dem Behältnis. Anschließend schlendert man durch den Laden und bewundert die gar nicht mal so kleine Auswahl (ich habe Bauklötze gestaunt als ich gesehen habe, das es sogar Nuss-Nougat-Creme gibt). Bei meinem ersten Besuch in einem Unverpacktladen, war ich ehrlich gesagt ein bisschen erschlagen von der Vielfalt. Nudeln, Reis, Trockenbohnen, Mehl, Kaffee, Spülmittel, ja sogar Gummibären und Schokolade gibt es dort. Wirklich der Wahnsinn und gerade auch für Kinder ein Erlebnis wert.

Ich war überrascht wie einfach die Umstellung in der Küche ging. Was leer wurde, wurde nach und nach durch unverpackte Alternativen ersetzt. Statt Hundertfünfzigtausend angefangene offene Plastikbeutel im Vorratsschrank stehen und liegen zu haben, herrschen jetzt ordentlich aufgereihte Gläser (hauptsächlich leergefutterte Gläser von ehemaligen Marmeladen, Brotaufstrichen, Gurken, Joghurt und Co.) vor. Das macht den Vorratsschrank wesentlich übersichtlicher und man sieht gleich wenn was nachgekauft werden muss.

Dinge wie Alu- und Frischhaltefolie sind verschwunden, dafür gibt es nämlich Bienenwachstücher, die sehen nicht nur viel hübscher aus, sondern sind einfach zu reinigen und sehr oft wieder zu verwenden. Und sie kleben ganz von selber ganz genauso wie man es gerade braucht, einfach durch die Wärme der Hände. Da verrutscht nichts, trocknet nichts drin aus und Geruch kommt auch keiner durch.

Da sich dieses Thema immer weiter in meinem täglichen Ablauf etabliert, werden schätzungsweise noch einige Beiträge folgen. Diese werde ich dann selbstverständlich hier verlinken.

Liebe Grüße

eure Rena