Sport ist Mord; der Selbstversuch

Ich habe beschlossen, mich mehr zu bewegen… einfach so. Keine besonderen Gründe… in letzter Zeit ziept es nur immer mal wieder hier und da… Das könnte jetzt einfach am langsam einsetztenden Verfall (mit meinen unglaublichen 32 Jahren) liegen. Ich habe gehört bei uns Frauen soll das wohl so langsam in diesem Alter beginnen. Oder es liegt einfach daran, das ich mir den ganzen Tag im Büro den Hintern breit sitze. Abends komme ich dann nach Hause und was passiert? Richtig… nicht mehr viel. Kennt man irgendwoher, oder?

Jetzt bin ich sicherlich keine dieser überaus sportlichen, immer perfekt gestylten und stets alles im Griff habenden Mädels. Ich arbeite viel und oft auch lange. Habe neben der Arbeit auch noch diverse andere „Nebenkriegsschauplätze“ (Freunde, Familie, Hobby, Hausbau, Haushalt, …), die Aufmerksamkeit erfordern. Eben ein ganz normales Leben. Und trotzdem muss es doch irgendwie möglich sein, den Sport mehr in den Alltag zu integrieren. Kann doch nicht so schwer sein, oder? Mit diesem Gedanken startete das ganze „Projekt“. Von teuren – und dann doch nicht genutzten – Fitnessstudio-Mitgliedschaften nahm ich nach eindeutiger und mehrmaliger Erfahrung Abstand.

Irgendwo im Netz las ich, dass ca. 150 Minuten Sport in der Woche ganz angemessen sein sollten. Puh hört sich ganz schön gigantisch für jemanden an, der ansonsten auf ungefähr 0 Minuten Sport pro Woche kommt. Verteilt man das Ganze aber einfach auf 7 Tage in der Woche hören sich 20 Minuten pro Tag doch gar nicht mehr so dramatisch an. Jetzt blieb nur noch eine Frage offen: „Was zum Geier macht mir genug Spaß um jeden Tag 20 Minuten damit zu verbringen?“

Samstag – Tag 1:

Das traurige Anfangsfazit: Ich bin vollkommen aus jeglicher Art von Übung. Keine Kondition, von Kraft gar nicht erst anzufangen.  Nach nur 15 Liegestütz (und dabei rede ich noch nicht mal von richtigen am Boden, sondern von den Erhöhten gegen die Küchenarbeitsplatte) fühlen sich meine Arme an wie Gummi. Nach 20 ordentlichen Sit-Ups stehen meine Bauchmuskeln in Flammen. Und ich halte eine Plank genau 22 Sekunden… armer vernachlässigter Körper. Ich lege um mein Gewissen ein wenig zu beruhigen noch einen Satz von leg lifts drauf (dabei schaffe ich unglaubliche 12 Stück). Den ersten Tag liege ich nach knapp 16 Minuten schweißtriefend auf meiner (dreimal – inklusive dem heutigen „Training“ – benutzten) Yogamatte.

Sonntag – Tag 2:

Schon am Morgen bevor sich mein Körper auch nur aus dem Bett bewegt hat, merke ich wie sich ein barbarischer Muskelkater entwickelt. Die Lust ist groß, einfach im Bett liegen zu bleiben. Aber tapfer wie ich bin, rolle ich mich todesmutig über die Seite aus dem Bett und lande dabei glücklicherweise auf meinen Beinen. Die hatte ich am Vortag ausgespart, also geht es ihnen entsprechend gut. Heute steht Tanzen auf dem Plan, gut das stand auch schon vorher auf der sehr kurzen Bewegungsliste. Im Tanzstudio angekommen, bin ich kaum in der Lage meinen Oberkörper gerade zu strecken und die Arme in Tanzposition zu heben. Mein Oberkörper fühlt sich an als wäre ich am Vortag den Mount Everest hochgeklettert, und das ohne die Beine zu nutzen. Doch es wird besser, mit jeder Minute in der sich meine Muskeln erwärmen, fällt es leichter. Nur Lachen ist doof. Darauf verzichte ich heute wirklich freiwillig. Und als hätten meine Tanzlehrer es gerochen, werden heute natürlich nur die schnellen  Tänze rangenommen. Wir starten mit Cha Cha Cha, gefolgt von einem für mich neuen Tanz, dem Quickstep.  Zwischendurch noch eine Salsa… Was soll der Geiz. 60 Minuten Fullspeed und draußen sind 25 Grad. Was soll ich sagen der Schweiß läuft. Aber irgendwie fühlt es sich wirklich gut an. Am Abend bin ich (warum auch immer) so gut aufgelegt das ich noch 5 Minuten Kniebeuge und Ausfallschritt draufpacke.

Wochensumme bis dato: 81 Minuten

Montag – Tag 3:

Auch an diesem Morgen merke ich noch den Muskelkater in Bauch und Brust, begleitet von einem leichten Ziehen in den Waden. Das Ziehen schreibe ich dem Cha Cha Cha zu, jedoch Nichts was sich nicht aushalten lässt. Da ich im Tango ziemlich hinterher hinke hatte ich bereits vor dem beschlossenen Selbstversuch eine Einzelstunde gebucht. Die Tanzstunde ist bei Weitem nicht so fordernd wie die Gestrige, und trotzdem bewege ich mich wieder 60 Minuten. Wieder zu Hause geht es aber nur noch aufs Sofa. Nase voll für heute.

Wochensumme bis dato: 141 Minuten

Dienstag – Tag 4:

Der Muskelkater im Bauch ist vollständig abgeklungen, der in der Brust auch. Kann ich mich heute motivieren? Von Lust ist heute wirklich nicht zu reden. Naja es nutzt ja nichts… ich schnappe mir meinen Mann und wir schieben alle Wohnzimmermöbel an die Wand. Sicherheitshalber werden noch mal die neuen Tango-, Cha Cha Cha und Quickstep-Schritte geübt. ca. 18 Minuten nerven wir unsere Nachbarn mit unserem Gehüpfe, dann verliert mein Mann die Lust. Auch gut… Ich beschließe das ich noch nicht fertig bin und rolle die wieder entdeckte Yogamatte aus. 22 echte Sit-ups später brennen die Bauchmuskeln schon wieder ordentlich, aber ich beiße die Zähne zusammen und ziehe mich noch weitere 8 mal hoch (+ 3 Minuten). Und weils so schön war lege ich noch eine Plank drauf. Was bin ich stolz als ich dieses Mal ganze 58 Sekunden halte bevor ich auf meiner Matte zusammenbreche. Ich runde gönnerhaft auf und beschließe das ich heute ganze 22 Minuten Bewegung auf meinem Konto gut schreiben kann.

Wochensumme bis dato: 163 Minuten

Ob ich es noch weiter durchhalte… mal schauen… momentan liegt mein innerer Schweinehund geknebelt im Keller und hält die Klappe. Könnte also sein, das ich weitere Tage hinzufügen kann. Hier geht’s weiter:

Sport ist Mord – Teil II

Sport ist Mord – Teil III

 

 

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